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Nahverkehrsplan Ingolstadt

 

Was ist ein Nahverkehrsplan?

  • Das Gesetz über den öffentlichen Personennahverkehr in Bayern (Bay. ÖPNVG) sieht als Planungsinstrument zur Verbesserung des ÖPNV den Nahverkehrsplan vor.
     

  • Die Ingolstädter Verkehrsgesellschaft mbH (INVG) nimmt die Aufgaben im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für die Stadt Ingolstadt wahr und hat mit der beauftragten Ingenieurgesellschaft GEVAS den Nahverkehrsplan Ingolstadt erarbeitet.
     

  • Der Nahverkehrsplan entspricht einem Rahmenplan und soll vor allem Zielvorstellungen für den ÖPNV formulieren und geeignete Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele definieren.
     

  • Im Einklang mit den Bestimmungen des Bayerischen ÖPNV-Gesetzes wurde der Nahverkehrsplan Ingolstadt unter intensiver Einbindung der beteiligten Verkehrsunternehmen und in Abstimmung mit den betroffenen Referaten der Stadt Ingolstadt erarbeitet. Es erfolgten eingehende Beratungen im INVG-Beirat und im Stadtrat.
     

  • Der Nahverkehrsplan Ingolstadt wurde am 4. Dezember 1997 vom Stadtrat einstimmig beschlossen. Er ist somit rechtswirksam und stellt das zentrale Steuerungsinstrument für die weitere Entwicklung des ÖPNV in Ingolstadt dar.

Inhalte des Nahverkehrsplanes Ingolstadt

 

Sozio-ökonomische Rahmenbedingungen

  • Die sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen haben wesentlichen Einfluss auf die in Ingolstadt und den Umlandgemeinden zu erwartende Nachfrage nach Verkehrsleistungen. Im Nahverkehrsplan werden deshalb u.a. die zentralörtliche Struktur, die Siedlungsstruktur sowie die räumliche Verteilung von Arbeits- und Schulplätzen dokumentiert.
     

  • Als Beispiel für relevante sozio-ökonomische Rahmenbedingungen wird die Wohnungsdichte in der Stadt Ingolstadt dargestellt. Eine große Wohnungsdichte wirkt sich in der Tendenz begünstigend auf die ÖPNV-Erschließungsmöglichkeiten aus, während Gebiete mit einer geringen Wohnungsdichte schwieriger durch den ÖPNV erschlossen werden können. Unter diesem Aspekt günstige Rahmenbedingungen für den ÖPNV bestehen vor allem nordwestlich und östlich der Altstadt.

Stadt Ingolstadt Wohnungsdichte

 

Bestandsanalyse

ÖPNV-Angebot

  • Im Rahmen der Bestandsanalyse wurde der Umfang und die Qualität des bestehenden ÖPNV-Angebotes untersucht. Ausführlich analysiert und dokumentiert wurden die Kriterien räumliche Erschließung, Fahrtenangebot, Fahrzeit und Beförderungsgeschwindigkeit, Infrastruktur, Organisation, Tarifsystem und Fahrgastinformation.
     

  • Exemplarisch werden die 1996/97 erreichten Beförderungsgeschwindigkeiten von/zur Ingolstädter Innenstadt dargestellt. Sowohl innerhalb des Stadtgebietes als auch bei den Verbindungen der Umlandgemeinden von/nach Ingolstadt fallen erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Beförderungsgeschwindigkeit auf. Hieraus können konkrete Handlungsansätze abgeleitet werden. So fällt für 1996/97 der Bereich Haunwöhr/ Knoglersfreude durch eine geringe Beförderungsgeschwindigkeit auf (umwegige Linienführung der Linie 40). Dies wurde zum Anlass genommen, diesen Bereich seit November 1998 durch die Linie 21 mit einer wesentlich direkteren und schnelleren Linienführung ergänzend zu bedienen.

Verkehrsnachfrage

  • Die Kenntnis der Verkehrsnachfrage ist eine wichtige Voraussetzung für eine zielgerichtete Angebotsplanung. Deshalb wurden im Nahverkehrsplan die vorhandene und potenzielle Nachfrage im ÖPNV sowie auch die Nachfrage im motorisierten Individualverkehr ausführlich analysiert.
     

  • Die bereits realisierte ÖPNV-Nachfrage kann durch die Fahrgastentwicklung der INVG seit 1988 belegt werden. Die Entwicklung ist durch ein mehr oder weniger kontinuierliches Wachstum gekennzeichnet. Insgesamt haben sich die INVG-Fahrgastzahlen von 1988 bis 2000 nahezu verdreifacht. Dieses erfreuliche Ergebnis ist das Resultat systematischer Angebotserweiterungen und -Verbesserungen.

Beförderungsgeschwindigkeiten
von/zur Ingolstädter Innenstadt

Fahrgastentwicklung
der INVG 1988 - 2000

 

Bewertung - Zielvorstellungen - Maßnahmen

Bewertung

  •  Zur Ableitung zielgerichteter Maßnahmen wurde das bestehende ÖPNV-Angebot einer Schwachstellenanalyse und Bewertung unterzogen. Basis hierfür war die Bayerische Richtlinie zur Nahverkehrsplanung, wodurch die Anwendung einheitlicher Kriterien gewährleistet wird. Hinsichtlich erkennbarer Schwachstellen bewertet wurden alle in der Bestandsanalyse untersuchten Kriterien.

Zielvorstellungen

  • Bei der Entwicklung von Zielvorstellungen zur Gestaltung des zukünftigen ÖPNV in Ingolstadt wurden die Bestandsanalyse, die Bewertung des ÖPNV-Angebotes sowie absehbare verkehrsrelevante Entwicklungen berücksichtigt.
     

  • Neben Verbesserungen des Fahrtenangebotes sollen auch die übrigen Systemkomponenten, wie z.B. Infrastruktur, Information, Organisation und Tarif, ständig verbessert werden. Beispielhaft zu nennen ist als Zielsetzung die Schaffung eines Gemeinschaftstarifes für die gesamte Region Ingolstadt.
     

  • Zur Weiterentwicklung des Fahrtenangebotes im Stadtgebiet von Ingolstadt wird eine Zielsetzung formuliert, die abgestuft nach dem jeweils erreichbaren Fahrgastpotenzial die angestrebte "ausreichende Verkehrsbedienung" definiert. Grundlage ist die Überlegung, auch bei zukünftigen Angebotsausweitungen keine Verschlechterung der derzeitigen Fahrzeugauslastung hinnehmen zu wollen.

Maßnahmen

  • Aufbauend auf den Zielsetzungen wurden konkrete Maßnahmenvorschläge entwickelt. Da nicht alle Maßnahmen gleichzeitig zu realisieren sind, wurden die Maßnahmen kurz-, mittel- und langfristigen Realisierungsstufen zugeordnet.
     

  • Zukünftige Taktverdichtungen sollen in erster Priorität bzw. kurzfristig bei solchen Linien umgesetzt werden, bei denen bereits heute die definierten Grenzwerte für eine Taktverdichtung notwendigen Fahrgastaufkommens erreicht sind.
     

  • Die konkrete Umsetzung der im Nahverkehrsplan Ingolstadt enthaltenen Maßnahmen ist zum Teil bereits erfolgt und wird zum anderen Teil Aufgabe der nächsten Jahre sein. In Abhängigkeit der verfügbaren Haushaltsmittel und unter Einbeziehung aktueller Entwicklungen wird Jahr für Jahr beschlossen, welche Maßnahmen als nächstes umgesetzt werden. Der Rahmen für eine positive Entwicklung des ÖPNV wird durch die im Nahverkehrsplan enthaltenen Festlegungen gegeben.

Anforderungen an eine ausreichende
Verkehrsbedienung für Durchmesserlinien

 

Wie geht es weiter?

  • Der Nahverkehrsplan ist laut Bayerischen ÖPNV-Gesetz in regelmäßigen Abständen fortzuschreiben. Die INVG überprüft deshalb kontinuierlich die Nachfrageentwicklung durch jährliche Fahrgastzählungen. Dadurch können aktuelle Entwicklungen frühzeitig erkannt werden und es ist möglich, mit gezielten Maßnahmen darauf zu reagieren.
     

  • Neben der detaillierten Analyse der Nachfrage ist für die INVG zur zielgerichteten Weiterentwicklung des Angebotes auch von großer Bedeutung, die konkreten Kundenwünsche zu erfahren. Um eine aktuelle und aussagefähige Datenbasis in dieser Hinsicht zu erhalten, wurden 1999 und 2000 umfangreiche Erhebungen durchgeführt.
     

  • In der ÖPNV-Kundenbefragung wurde vor allem erfragt, wie zufrieden oder unzufrieden die INVG-Fahrgäste sind und welche Wünsche sie für Angebotsverbesserungen haben. Das Beispiel für die Bewertung des ÖPNV in Ingolstadt durch den Fahrgast zeigt, dass die INVG-Kunden insgesamt überwiegend zufrieden mit den angebotenen Leistungen sind. Es werden aber auch Angebotskomponenten deutlich, mit denen die Kunden etwas weniger zufrieden sind (z.B. Fahrgastinformation, Tarif). Hieraus ergeben sich für die INVG konkrete Handlungsfelder für die Zukunft.

Bewertung des ÖPNV in Ingolstadt